Stranger Things – nein, nicht die Fernsehserie!

 

Sonderbares und Erlebnisse

Wenn ich mich so in meinen Habitaten rumtreibe, passieren immer wieder mal mehr oder weniger außergewöhnliche Dinge. Manchmal sind es einfach nur Menschen, mit denen sich tolle Gespräche ergeben, oder Begegnungen mit anderen Tierarten, die mir im Gedächtnis bleiben.
Hier möchte ich euch ab und an von solchen Dingen berichten.
Da ich nicht jedesmal eine neue Seite erstellen will, schreibe ich hier einfach fortlaufend, wobei ich die neuesten Beiträge oben auf der Seite posten werde.

Viel Spaß beim Lesen!

Ein komischer Kauz ... ähhhh Reiher

Vor zwei Tagen bin ich an einen Weiher unweit von mir gefahren. Ich war zum ersten Mal dort, denn eigentlich sind mir da zu viele Menschen, handelt es sich doch um einen Fischweiher. Außerdem ist ein Badesee nur ca. 5 Gehminuten entfernt, so dass es nicht wirklich ruhig ist.
Jedenfalls habe ich dort tatsächlich sowohl die Braune Mosaikjungfer (Aeshna grandis) als auch die Glänzende Smaragdlibelle (Somatochlora metallica) entdeckt! Genial!
Was aber mindestens genauso bemerkenswert war, ist dieser kauzige Kamerad:

Nachtreiher-2
Nachtreiher-3
Nachtreiher
Nachtreiher-2 Nachtreiher-3 Nachtreiher

Zuerst dachte ich an einen Graureiher, als ich mir die Bilder dann aber auf dem Kameradisplay näher angesehen habe, schied der als Kandidat aus. Ausserdem war dieser Vogel auch gar nicht so scheu, wie Graureiher üblicherweise sind.
Eine Hundebesitzerin meinte dann, es sei ein Kormoran. Da hab ich dann schon mal nicht schlecht gestaunt! Zu meiner Verteidigung sei gesagt, dass ich mich mit Vögeln nicht wirklich gut auskenne. Klar, Kohlmeise und Spechte kann ich durchaus benennen, aber dann ist es auch schon vorbei 😉
Als ich dann zuhause die Bilder gesichtet habe, habe ich versucht, herauszufinden, welche Vogelart es denn ist, denn den Kormoran konnte ich recht schnell ausschließen: allein schon die Schnabelform passte nicht.
Ich vermutete dann doch wieder eine Reiherart und fragte zur Sicherheit in einer Vogelgruppe bei Facebook nach. Und die korrekte Antwort kam schnell: ein Jungtier des Nachtreihers (Nycticorax nycticorax)!
Und da diese Art in Bayern vom Aussterben bedroht ist, habe ich meine Sichtung dem LfU und dem örtlichen LBV gemeldet.
Schön, dass offensichtlich ein Paar dieser seltenen Vögel bei uns gebrütet hat und ich das Glück hatte, ein Tier zu sehen 🙂

Tödlicher Liebestaumel

Wenn es darum geht, sich ein Weibchen zu schnappen, scheinen Libellen manchmal komplett im Liebestaumel zu sein. Obwohl ihre Komplexaugen selbst die kleinste Bewegung wahrnehmen, wird oft das naheliegende übersehen …
Ich war im Sommer 2019 in einem Habitat, in dem die Gebänderte Heidelibelle vorkommt. Da S. pedemontanum als gefährdete Art gilt, ist das natürlich ein Highlight für mich.
Ich befand mich ca. 20 m entfernt des Gewässers, um nach Weibchen Ausschau zu halten. Plötzlich flog ein Tandem oder Paarungsrad an mir vorbei. Es ging so schnell, dass ich das nicht genau gesehen habe. Jedenfalls habe ich sofort die Richtung gewechselt, um dem Paar zu folgen.
Weit kamen die beiden Liebenden allerdings nicht: sie flogen direkt in ein Spinnennetz!
Es ist ja nicht so, dass ich was gegen Spinnen habe, aber sie gehören jetzt nicht unbedingt zu meinen Lieblingstieren. Ich glaube, es war eine Veränderliche Krabbenspinne, also relativ groß.
Ich habe meine Kamera sofort ins Gras geworfen und bin zu dem Spinnennetz gerannt. Leider war die Spinne um einiges schneller an ihren Opfern als ich.
Sie begann sofort, das ihr am nächsten befindliche Männchen zu bearbeiten. Diesem konnte ich nicht mehr helfen: die Flügel und das Abdomen waren blitzschnell eingesponnen und verdreht 🙁
Das Weibchen, welches die Spinne noch nicht in Angriff genommen hatte, habe ich mit einem kleinen Ast aus dem Netz befreit, um sie erstmal aus der Gefahrenzone zu bringen.
Ihre Flügel waren richtiggehend verklebt und die Haltung der kleinen Libelle sah auch nicht so gesund aus. Mit einem Grashalm konnte ich die klebrigen Fasern des Netzes nicht entfernen, ich hatte eher den Eindruck, den Schaden noch größer zu machen. Also hab ich das kleine Tierchen zum Wasser getragen und angefangen, die Kleine vorsichtig zu baden: sie hielt sich mit ihren Beinchen an meinem Finger fest und ich habe sie mit den Flügeln sachte ins Wasser getaucht.
Ihr glaubt gar nicht, was das für ein Stress war! Ich war mal so richtig auf Adrenalin, hab gezittert und gebetet, dass ich alles richtig mache … wie so ein Libellen-Notarzt 😉
Tatsächlich ließen sich die nassen Spinnenfäden mit einem Grashalm einigermaßen vom Körper der Gebänderten Heidi entfernen. Ich habe sie dann auf einen Stein gesetzt, damit sie trocknen kann.
Weil man sowas ja nicht täglich erlebt, habe ich meine Kamera geholt und ein paar Bilder von der kleinen Madame gemacht. Langsam ist mein Puls auch wieder in den Normalbereich zurückgekehrt und ich bin noch eine Weile bei ihr sitzen geblieben. Ich wollte verhindern, dass sie unter Umständen doch noch Opfer eines Frosches oder sogar einer anderen Großlibelle (Kannibalen!) wird.
Nach ca. 15 Minuten war sie wohl trocken und aufgewärmt genug, um wegzufliegen. Mir ist tatsächlich ein riesiger Felsbrocken vom Herzen gefallen 🙂


Gebänderte Heidelibelle - Sympetrum pedemontanum f-9
Gebänderte Heidelibelle - Sympetrum pedemontanum f
Gebänderte Heidelibelle - Sympetrum pedemontanum f-3
Gebänderte Heidelibelle - Sympetrum pedemontanum f-5
Gebänderte Heidelibelle - Sympetrum pedemontanum f-9 Gebänderte Heidelibelle - Sympetrum pedemontanum f Gebänderte Heidelibelle - Sympetrum pedemontanum f-3 Gebänderte Heidelibelle - Sympetrum pedemontanum f-5

Aufgespießt!

Ich war Mitte September 2019 in einem meiner liebsten Habitate: es ist nicht weit weg und es gibt einen kleinen Tümpel, an dem ich bisher immer komplett alleine war, weil er sehr versteckt liegt.

Ich stehe also am Tümpel und warte auf eine Blaugrüne Mosaikjungfer, die immer wieder am Eierablegen war (hat sich später als Große Königslibelle entpuppt … ich sollte meine Brille konsequenter tragen 😉 )
Da raschelte es ein paar Meter von mir entfernt in den Gräsern. Hab mich natürlich nicht ablenken lassen und weiter auf die *hüstel* Mosaikjungfer gewartet … irgendwann kam mir das Rascheln aber dann doch verdächtig vor, so dass ich vorsichtig hin gegangen bin.
Und ich weiß nicht, wie sie es geschafft hat, aber das kleine Weibchen der Herbst-Mosaikjungfer (Aeshna mixta) hatte sich mit beiden Vorderflügeln aufgespießt!

Libellen besitzen keine Nervenbahnen in ihren Flügeln, empfinden folglich auch keinen Schmerz. Also habe ich ein paar Bilder geschossen. Hing da, wie ein Schluck Wasser in der Kurve, die arme kleine … Lange konnte ich mir das Elend der ängstlichen Libelle aber nicht ansehen, also habe ich ein kleines Ästchen genommen und bin sanft unter ihre Beinchen. Fand sie nicht so toll, aber dadurch konnte ich sie vorsichtig nach oben bewegen und ich wollte ihre Flügel ja nicht noch weiter beschädigen.
Während ich sie mit dem Ästchen sachte zu einem Baumstumpf bringen wollte, hat sie sich schon warm gemacht. Libellen brauchen eine gewisse Betriebstemperatur, damit sie fliegen können. Das erreichen sie, in dem sie mit ihren Flügeln rasend schnell vibrieren. Bevor ich den Ast ablegen konnte, war sie schon flugbereit, ist gestartet und weg war sie 🙂

Ein schönes Erlebnis mit Happy End 🙂

2019-09-15__Herbst-Mosaikjungfer - Aeshna mixta f-5
2019-09-15__Herbst-Mosaikjungfer - Aeshna mixta f-8
2019-09-15__Herbst-Mosaikjungfer - Aeshna mixta f-6
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2019-09-15__Herbst-Mosaikjungfer - Aeshna mixta f-11
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2019-09-15__Herbst-Mosaikjungfer - Aeshna mixta f-5 2019-09-15__Herbst-Mosaikjungfer - Aeshna mixta f-8 2019-09-15__Herbst-Mosaikjungfer - Aeshna mixta f-6 2019-09-15__Herbst-Mosaikjungfer - Aeshna mixta f 2019-09-15__Herbst-Mosaikjungfer - Aeshna mixta f-11 2019-09-15__Herbst-Mosaikjungfer - Aeshna mixta f-10 2019-09-15__Herbst-Mosaikjungfer - Aeshna mixta f-2 2019-09-15__Herbst-Mosaikjungfer - Aeshna mixta f-7 2019-09-15__Herbst-Mosaikjungfer - Aeshna mixta f-9 2019-09-15__Herbst-Mosaikjungfer - Aeshna mixta f-4 2019-09-15__Herbst-Mosaikjungfer - Aeshna mixta f-3

Kleiner Revoluzzer

Hufeisen-Azurjungfern (Coenagrion puella) findet man an vielen Gewässern. Sie sind sehr häufig und auch leicht zu identifizieren.
Letztens habe ich ein Männchen fotografiert, dass mal richtig aus der Reihe tanzen wollte: die Zeichnung ist so anders, dass ich damit die Libellenmafia und auch einen Biologen beschäftigt habe.
Wir sind dann übereingekommen, dass es sich nicht um eine neue Unterart handelt, sondern die Zeichnung unter natürliche Variabilität fällt.

Schade eigentlich, denn wäre es ersteres gewesen, hätte ich einen Namen vergeben dürfen 😉
Hier erstmal eine “normale” Hufeisen-Azurjungfer:

Und nachfolgend nun der kleine Revoluzzer:

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