Ja, irgendwie bin ich wohl beides

Obwohl ich absolut kein Freund von Jägern im eigentlichen Sinn bin: das Töten von Tieren ist für mich kein Tierschutz. Basta.
Aber natürlich hat sich bei mir im Laufe der Jahre eine Art Jagdfieber entwickelt, wenn es um Libellen geht. Aber der Reihe nach …

Fotografieren ist für mich pure Erholung, wenn auch meist sehr schweißtreibend. Ich habe einen manchmal sehr hektischen Job, vor allem wenn das Geschäftsjahr sich dem Ende neigt und urplötzlich -als wäre es das erste Mal!- der 31.12. an die Tür klopft.

Sofern das Wetter mitspielt, bin ich im Normalfall das ganze Wochenende und an anderen freien Tagen draussen in der Natur. Kommt natürlich auch immer auf die Temperaturen an: wenn mir die Finger einfrieren, zieht es mich weniger hinaus bzw. halte ich mich auch auf Grund der Lichtsituation meist nicht soooo arg lang draußen auf.
Dafür nutze ich die dunklen Monate aber u. a. dafür, mich auf die kommende Libellensaison vorzubereiten.

Suche nach neuen Habitaten

Dank Google Maps und der Karten-App auf Apple-Geräten war es wohl nie so einfach, geeignete Stellen zu finden. Ich suche ganz gezielt nach Örtlichkeiten, die über entsprechende Gewässer verfügen: Nebenarme von Flüssen, Bäche, Moore usw.
Jedes neue Habitat birgt auch immer die Chance, Arten zu finden, die ich noch nie gesehen habe. Das treibt mich mich an und so markiere ich mir die Stellen auf der Karte.

Und dann gibt es da auch noch geheime Orte!

Pssst! Nicht weitersagen!

Die Libellenmafia (nicht bös gemeint!) schützt im Normalfall die wenigen, ruhigen Orte, an denen Libellen vorkommen. Und das ist auch gut so! Ich habe meine Hotspots bisher auch nur einem einzigen anderen Libellenmafioso kundgetan. Und auch nur deshalb, weil er mir seine Stellen verraten hatte. Die behalte ich selbstverständlich auch für mich und gebe sie nicht weiter.
Ist halt so.
Trauriges Negativbeispiel ist ein renaturiertes Hochmoor ca. 15 km von mir entfernt.
Bis vor 2 Jahren habe ich an einem Samstag oder Sonntag höchstens 1 bis 2 Menschen in 6 Stunden dort gesehen.
Dann wurde ein Buch über dieses Moor veröffentlicht, dass die Menschen für den Lebensraum Hochmoor eigentlich sensibilisieren sollte. Dabei heraus kam leider das:

  • Wandergruppen, die wie nix gutes durch das Moor trampeln
  • Familien, die keine Anstalten machen, Sorge dafür zu tragen, ihre Kinder auf den Trampelpfaden zu halten
  • Freundliche Bitten der Naturschutzwacht, man möge das Torfmoos bitte nicht betreten, werden gänzlich ignoriert, auch wenn gut erkennbare Barrieren errichtet wurden
  • Müll wird einfach weggeworfen und liegengelassen

Ich besuche dieses Moor mittlerweile nur noch unter der Woche oder Samstags. Spätestens um 11.30 Uhr mache ich mich dann wieder auf den Rückweg, weil einfach nur noch Lärm und Trubel im Moor herrscht.
Schlimm! Macht überhaupt keinen Spaß mehr! Wie muss es dann erst den Tieren gehen?!

Der Reiz des Neuen

Es ist schon immer wieder etwas ganz besonderes für mich, wenn ich auf eine Libellenart stosse, die ich noch nie zuvor gesehen habe: z. B. die Sumpf-Heidelibelle, die ich zunächst mit der Blutroten Heidelibelle verwechselt habe. Erst zuhause an meinem iMAC habe ich die Merkmale deutlicher gesehen und war natürlich freudig überrascht!
Oder der Östliche Blaupfeil: um ihn zu finden, bin ich an einem Samstag im Juli 2020 morgens um 02:00 Uhr aufgestanden, habe eine Tasse Kaffee runtergestürzt und mich auf den Weg in die Nähe von Rosenheim gemacht. Ich wollte Individuen an ihrem Schlafplatz finden, um bei Sonnenaufgang (wenn die kleinen Kerle noch nahezu bewegungsunfähig sind) Bilder schiessen zu können.
Gefunden habe ich O. albistylum nicht, dafür aber das Große Granatauge, die eben schon erwähnte Sumpf-Heidelibelle und die Gemeine Binsenjungfer! Drei Erstsichtungen an einem einzigen Tag ist schon mal echt geil 🙂

Zahlen und Fakten

Richtig intensiv beschäftige ich mich mit Libellen erst seit 2018. Ich wollte irgendwann einfach genau wissen, welche Art ich fotografiert hatte. Systematisch archiviert oder katalogisiert habe ich meine Funde damals allerdings noch nicht.
In 2019 fing ich dann an, eine Excel-Datei anzulegen, in der ich meine Funde eingetragen habe. Diese Datei ist inzwischen ausgeweitet auf lateinische, englische und niederländische Bezeichnungen, Flugzeiten der Imagines und deren Gefährdungsstufen.
So kann ich inzwischen durch die Excel-Liste und der Systematik, wie ich meine Fotos archiviere, genau sagen, wann und wo ich die Art gefunden habe. Zudem melde ich meine Funde dem Landesamt für Umwelt, was im übrigen jeder machen kann, auch ohne Registrierung.

Bis zum Ende der Libellensaison in 2019 hatte ich 38 Arten im Großraum München gefunden und fotografiert.
Jetzt, Mitte Juli 2020, sind es bereits 39 Arten 🙂 Grund hierfür sind tatsächlich das Aufsuchen weiter von mir entfernter Habitate und die Tipps von anderen Libellenfreunden!

Es bleibt also spannend, denn bis September/Oktober kommen noch ein paar Arten 🙂